Top 5 von 2018 oder eine Art Jahresrückblick

Ende Dezember findet man überall die Rückblicke auf das zurückliegende Jahr. Da will ich, nachdem ich 2017 damit angefangen habe, mich auch in die Gruppe der Zurückblicker einreihen. Und auch dieses Jahr greife ich die Idee auf die 5 „besten“ Aufnahmen zu präsentieren, was immer auch damit gemeint sein soll. In meinem Fall sind das nicht die Bilder, die die meisten Likes in den sozialen Medien ergattert haben, und somit zu den „best nine“ auf Instagram gehören, wie man sie gerade gehäuft präsentiert bekommt. Es sind auch nicht die Fotos, die technisch am perfektesten sind oder besonders gelungen nach irgendwelchen Regeln gestaltet wurden, sondern die Aufnahmen, die für mich persönlich für dieses Jahr stehen.

500 C/M . HP5 . HC110 (B)
Die erste Aufnahme in meinen „Top 5“ 2018 fotografierte ich bei dem Fototreffen mit Kiki als ich meinem Lieblingsfilm (Tri-X) untreu wurde und mit dem Ilford HP5+ „fremd ging“. Für diese saßen wir Bilder auf dem Sofa, plauderten und neben der digitalen Nikon lag auch meine Hasselblad mit dem 80er Planar und Ersatzfilmen in Reichweite.

Nun gehört Kiki nicht nur wegen ihres Aussehens zu meinen Lieblingsmodellen. Es ist auch immer ein Vergnügen sich mit ihr zu unterhalten. Während des ungezwungen Gesprächs warf ich immer mal wieder einen Blick durch den Lichtschchtsucher des Schwedenwürfels und betätigte im passenden Moment den Auslöser. Gerade wenn man so „portraitlastig“ fotografiert wie ich es tue, ist die Kommunikation mit dem Menschen vor der Kamera vor und während des Fotografierens der Schlüssel zu einem guten Ergebnis.

D750 . 85/1.4@6,7 . ISO100 . geblitzt
Im Februar, um genau zu sein am letzten Tag der olympischen Winterspiele, führte mich mein Weg nach Leipzig. Dort nahm ich an einem Workshop bei Corwin von Kuhwede mit der bezaubernden Maria Kn als Modell teil. Angeregt zu dieser Teilnahme wurde ich durch zwei Bücher, die Corwin geschrieben bzw. herausgebracht hat und in meinen Bücherregalen stehen. Das eine, sein Fachbuch zur „Aktfotografie als die intimste Form des Porträts“, hat mich dazu gebracht meine Motivation zur Akt- bzw. Menschenfotografie öfter mal zu hinterfragen. Also sich immer wieder die Frage zu stellen, ob das Modell vor der Kamera jetzt mehr den Fotografen in mir anspricht oder ob da nicht auch ich als Mann ein mehr oder weniger großes Interesse an diese Zusammenarbeit habe.

Ein auch nicht von der Hand zu weisender Grund für die Anmeldung war die Aussicht vor der Wand, die dem (leider vergriffenen) Bildband „Geschichten einer Wand“ den Namen gab, Bilder zu machen. Aus einem der Sets, die wir während des Workshops fotografiert haben, stammt dieses Bild. Da die Rate an sehr guten Fotos für einen Workshop erstaunlich hoch war, sollte ich vielleicht noch einen eigenen Beitrag mit einer oder zwei Serien verfassen.

D750 . 85/1.4@2.8 . 1/180s . ISO640
Ein stets gern gesehener Gast, oder wie es vermutlich Gerburg Jahnke ausdrücken würde eine gern gesehene Gästin, besuchte mich auch noch im Frühjahr. Jenni hatte mal wieder auf der Heimreise nach Pilsen bei mir in Kulmbach vorbei geschaut.

Beim Aussuchen der Requisiten fiel uns auf, dass wir, obwohl wir schon lange zusammen arbeiten, noch keine Fotos mit meinem Federkragen gemacht haben. Dieses Versäumnis haben wir dann sofort korrigiert. Das hier gezeigte Aktportrait entstand dabei bei Tageslicht an der Tür des französischen Balkons im Wohnzimmer.

Der Charakter eines Jahresrückblick macht es erforderlich zu erwähnen, dass ein Bild aus diesem Shooting bei der Bayerischen Landesfotoschau des DVF mit einer Urkunde ausgezeichnet wurde. Zusammen mit den 4 Annahmen ergab das genug Punkte für einen 13. Platz in der Autorenwertung.

D750 . 85/1.4@2.0 . 1/500s . ISO320
Der Sommer mit seinen lang anhaltenden Schönwetterperioden führte dann dazu, dass ich meine Komfortzone „Home-Shooting“ verließ und wir das jährliche Shooting mit Angelina in einer Burgruine im Wald stattfinden ließen. Die Ergebnisse daraus warten auch noch darauf hier angemessen präsentiert zu werden.

Das hier gezeigt Bild ist eigentlich kaum repräsentativ für unser fotografisches Handeln an diesem Tag. Zum einen sieht man kaum etwas von der (fotogenen) Umgebung und Portraits war auch nicht gerade der Schwerpunkt bei den Aufnahmen. Und bevor hier Gerüchte aufkommen, ein Fashion-Shooting war es auch nicht. ;-)

Es zeigt aber einen für mich wichtigen Aspekt bei der Aktfotografie. Ein gutes Aktmodell muss auch ein gutes Portraitmodell sein. Eine tolle Figur alleine reicht nicht. Die weiteren Dinge aufzuzählen, die in meinen Augen für eine erfolgreiche fotografische Zusammenarbeit notwendig sind, würden den Rahmen hier sprengen.

D750 . 50/1.4@4.0 . ISO320 . geblitzt
Das (chronologisch) letzte Bild meiner Top 5 steht hier auf dieser Position weil das Shooting im Herbst, und damit zeitlich als letztes, stattfand. Das Modell, Lili-V aus Prag, verfolge ich schon einige Zeit in der Model-Kartei. Sie bringt einige Eigenschaften mit, die ich bei Modellen schätze. Als sie mich anschrieb, ob ich Interesse an einer Zusammenarbeit hätte, überprüfte ich sofort meinen Kalender um eine mögliche Terminkollision auszuschließen. An einer solchen war unser erster Versuch eines gemeinsamen Shootings gescheitert. Umso froher war ich, dass es diesmal klappte.

Sie hatte in der Nähe von Nürnberg ein geräumiges Hotelzimmer gemietet, in dem wir uns an einem Samstag Nachmittag im Oktober trafen. Da zu erwarten war, dass sich irgendwann das Tageslicht verabschieden würde, hatte ich auch ein paar Aufsteckblitze mit Funkauslösern, Stativen und Lichtformern eingepackt. Diese kamen dann bei zwei meiner Lieblingsserien aus diesem Jahr zum Einsatz. Dieses Portait entstand gegen Ende des Shootings und wurde über eine Oktabox beleuchtet. Die verwuschelten Haare sind dem vorherigen Set in der Dusche geschuldet, passen aber m.E. sehr gut zum Blick und dem gewünschten Ausdruck.

Technika . 150mm . Tri-X320 . HC110(B)
Eine „Honorable Mention“ und somit ein sechstes Bild in den Top 5 hat sich Andreas Jorns verdient. Geschafft hat er das, weil er mich schon seit Jahren mit Büchern. Magazinen, Blogbeiträgen und Workshops inspiriert. Als weitere Art der Inspiration kam Anfang Dezember sein Meetup auf Usedom dazu. Dort trafen sich knapp 150 Fotobegeisterte im Hotel Baltic um zusammen zu fotografieren und sich über Fotografie zu unterhalten. Dieses hat mir einen tollen fotografischen Jahresabschluss beschert. Auch wenn es sicher möglich gewesen wäre mehr zu fotografieren, fand ich die Gespräche mit alten und neuen Bekannten aus allen Teilen der Republik bereichernder. Fotografisch habe ich auch hier meine Komfortzone verlassen und draußen am Strand fotografiert, schließlich hat man das Meer in Oberfranken nicht vor der Haustür. Und das musste ausgenutzt werden.

An analogem Gerät hatte ich neben der Hasselblad auch noch eine geliehene Linhof Technika dabei. Diese hatte ich am Samstag Nachmittag, einer spontanen Eingebung folgend, in der Lounge aufgebaut und in der facebook-Gruppe nach Leuten gesucht, die bereit wären sich vor die Kamera zu setzen. So konnte ich meine verbliebenen 13 Planfilmkassetten für je 2 Portraits von Teilnehmern des Meetups nutzen. Auch Andreas konnte ich überredenzeugen vor der Kamera Platz zu nehmen.

Als Beleuchtung diente meine K90 Oktabox von Jinbei mit Wabe, die ich mit einem Yongnuo-Austeckblitz bestückt hatte. Diese Strobistentechnik habe ich übrigens mit dem Blitzkochbuch von Andreas gelernt und bei einem Workshop bei ihm an der gleichen Örtlichkeit praktisch vertieft.

Ohne einen kleinen Ausblick auf 2019 möchte ich den Rückblick nicht beenden. Eines der Ziele ist es den Anteil der Aufnahmen auf Film in den Top 5 noch weiter zu steigern. 2017 war noch keine vertreten, 2018 eines in den Top 5 plus der ehrenvollen Erwähnung. Auch könnte ich mir vorstellen neben der Fotografie von Menschen auch andere Motive wieder öfter auf Film und Sensor zu bannen. Und natürlich nehme ich mir auch wie in den letzten Jahr für 2019 vor öfter zu bloggen, bzw. die angefangenen Beiträge auch fertig zu schreiben.

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