Ich bin „fremdgegangen“

Nein, ich bin nicht wirklich im klassischen Sinne fremd gegangen. Und um möglichen Gerüchten vorzubeugen, möchte ich auch versichern, dass der Titel auch auch in keinem Zusammenhang zur liebreizenden Kiki steht, die mir beim Anfertigen der Bilder für diesen Beitrags behilflich war. Vielmehr bezieht er sich mehr auf eine vorübergehende Abkehr von meinem Lieblingsfilm, dem Kodak Tri-X. Eigentlich bin ich daran gewöhnt ab und zu andere Filme in der 400er-Klasse in meiner Hasselblad zu verwenden. Ist z.B. der Tri-X als Rollfilm gerade nicht lieferbar, dann verwendete ich auch ganz gerne mal den Rollei RPX400. Oder wenn ich mehr Korn möchte, dann kommt auch mal der Fomapan 400 in die Kamera. Doch das sind eher Spezialfälle. In der Regel bleibe ich beim Tri-X.

Durch diverse Wechselkursschwankungen (Dollar rauf, Pfund runter) fiel mir im letzten Jahr auf, dass der Preisunterschied des klassischen Rivalen des Tri-X, dem HP5 plus von Ilford, zum amerikanischen „Original“ gewaltig gewachsen war. Und so entschloss ich mich dem Ilford mal wieder zu testen.

Zu meinen Anfangszeiten der SW-Selbstentwicklung hatte ich ein paar HP5+-Kleinbildfilme in Rodinal entwickelt und war nicht wirklich begeistert. Da sagten mir die Grautöne des Tri-X deutlich mehr zu. Doch könnte der HP5 plus in einem anderen Entwickler meinen Vorstellungen eher nahe kommen? Nachdem ich auf verschiedenen Onlineplattformen Bilder vom HP5+ in HC110, meinem aktuellen Standardentwickler, gesehen hatte und auch dieser Entwickler für dem Ilford mehrfach empfohlen wurde, bestellte ich um den Jahreswechsel einige Rollen zum Ausprobieren. Und ja, das fühlte sich tatsächlich irgendwie an, als würde ich meine alte Liebe Tri-X betrügen.

Als Ingenieur habe ich mir angewöhnt, wenn ich etwas Neues teste, so wenig Parameter wie möglich zu ändern. Also testete ich den Film während des Shootings mit Kiki. Bei Kamera, Modell und Location war ich sicher, dass von dieser Seite keine Probleme zu erwarten sind. Und auch die gewählte Aufnahmesituation, schöne, unbekleidete Frau mit übergeworfenem, weißen Herrenhemd am Fenster mit Kaffeetasse in der Hand, erfüllt zwar einige Klischees, hat aber in der Vergangenheit schon bewiesen, dass sie funktioniert. Somit war der Hp5 plus tatsächlich das einzig Neue beim Shooting.

Nach der Entwicklung in Kodak HC110 (Dilution B) nach den Angaben der Massive Dev Chart war ich gespannt, wie sich der Film beim Scannen verhalten würde. Und da war ich positiv überrascht. Ich musste, auch nicht bei den Gegenlichtaufnahmen, die Regler in der Epson-Scansoftware bei weitem nicht so stark bewegen, wie es bei den sonstigen Filmen gelegentlich der Fall ist.

Der Eindruck vom Ilford HP5 plus in HC110 entwickelt ist also durchaus positiv. Ich habe mir also nochmal ein paar Rollen bestellt und werde sie bei nächster Gelegenheit verwenden. Beim aktuellen Preisunterschied (Hp5 plus weniger als 5€/Rollfilm, Tri-X ca. 6,60€/Rollfilm) ist für mich als Schwabe der fotografischen Seitensprung eher nur noch ein Kavaliersdelikt ;-)

Doch genug geschrieben, hier kommen die Fotos:

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