Roh oder gekocht?

Ähnlich leidenschaftlich wie bei der Frage „analog oder digital“ wird in Fotoforen von Besitzern digitaler Spiegelreflexkameras gelegentlich die Frage nach der Verwendung des RAW-Formats diskutiert. Die Diskussionsverläufe zeigen eine Tendenz solche Fragestellungen eher digital oder binär zu betrachten. Also nur „Entweder-Oder“ statt auch mal ein „sowohl-als-auch“ zuzulassen.

Schaut man sich die Vor- und Nachteile der beiden „Dateiformate“ RAW und JPEG mal genauer an, findet man schnell heraus, dass es Situationen gibt, die vom einen besser als vom anderen abgedeckt werden. Das Dateiformat im vorigen Satz steht deshalb in Anführungszeichen, da es „das“ RAW-Format so gar nicht gibt. Es ist ein Sammelbegriff für die Dateiformate, in denen die Kameras die Rohdaten des Sensors weitgehend unbearbeitet auf die Speicherkarte schreiben. Näheres zu den technischen Hintergründen findet sich z.B. in der Wikipedia.

Dabei sind nur wenige Dinge für den Fotografen wichtig

  1. RAW erfordert immer Nachbearbeitung
  2. Das Programm zur Nachbearbeitung muss mit dem RAW-Format der Kamera klar kommen
  3. Das RAW-Format hat die höchstmögliche Farbtiefe, die die Kamera liefern kann (meistens 12bit pro Farbkanal, manche auch 14bit)
  4. Die höhere Farbtiefe ermöglicht einen höheren Spielraum beim Nachbearbeiten (Weißabgleich, Kontrastanhebungen)
  5. Dieser Spielraum geht nicht soweit, dass sich komplett falsch belichtete Aufnahmen retten lassen
  6. Die erzeugten Dateien sind relativ groß (etwa 15-16 MB bei meiner D200)

Für JPEG lassen sich folgende Punkte auflisten:

  1. Die Dateien können mit fast jedem Computer angesehen und verarbeitet werden
  2. Grundbearbeitung (Verkleinern, Drehen) geht mit einfachen Freeware-Programmen oder Betriebssystem-Bordmitteln
  3. Der kleinere Farbraum (8bit pro Farbkanal) schränkt den Spielraum beim Nachbearbeiten ein, es kommt früher zu so genannten Farbabrissen.
  4. Die Umwandlung in JPEG findet in der Kamera anhand der eingestellten Parameter statt. Fehler, die hierbei gemacht werden, besonders beim Weissabgleich, lassen sich oft nur schwer wieder ausgleichen.
  5. die verlustbehaftete Komprimierung des JPEG-Formats schränkt den Verarbeitungsspielraum weiter ein, liefert aber kleinere Dateien

Für mich habe ich daraus folgende Schlüsse gezogen:
Brauche ich schnell verfügbare Bilddateien, die ich zeitnah an andere weitergeben muss oder im Blog zeigen will, dann fotografiere ich in JPEG. Habe ich Zeit, erwarte ich schwierige Lichtverhältnisse und möchte mir den Weg für spätere Bearbeitungen offenhalten, dann wähle ich RAW. Schließlich ist ja nicht auszuschließen, dass mein RAW-Konverter (Adobe Lightroom2) neue Fähigkeiten dazu bekommt. Die Möglichkeit, dass ich bei der Bedienung des Programms besser werde, ist dabei noch wahrscheinlicher.

Kann ich mich gar nicht entscheiden, dann bietet die D200 auch noch die Möglichkeit beide Dateiformate parallel abzuspeichern. Die Technik ist hier also manchen Benutzern überlegen. Sie beherrscht das „sowohl-als-auch“ serienmäßig.

Wenn ich nachher dem Tipp von Ralf-Jürgen Stilz folgen werde und zum Public-Viewing des Viertelfinales Deutschland-Argentinien die Kamera mitnehmen werde, wird die D200 überwiegend auf JPEG eingestellt werden. Schliesslch möchte ich die Ergebnisse ja zeitnah beim Fotowettbewerb „100xSchlaaand“ einreichen.

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