Porst compact reflex SP

Porst compact reflex SPHeute zeige ich mal etwas sentimental die Kamera, mit der bei mir das mit der ernsthafteren Fotografie irgendwie begonnen hat. Es ist die Spiegelreflexkamera meines Vaters, die ich auch gelegentlich benutzen durfte. Heute steht sie als Erbstück bei mir im Schrank und wird nicht mehr benutzt. Das liegt zum einen daran, dass ich mir als erste eigene Spiegelreflex eine Nikon gekauft hatte und seitdem im Kleinbildbereich der Marke treu geblieben bin. Zum anderen daran, dass ich analog überwiegend Mittelformat und größer verwende.

Doch kommen wir mal zur Porst compact reflex SP. Der Hersteller ist natürlich nicht die Firma Photo-Porst. Das war eine auf Fotoartikel spezialisierte Handelskette, die unter ihrem Namen auch Kameras anbot, die sie von anderen Firmen produzieren lies. Also ganz ähnlich wie Quelle mit den Revue-Kameras.

Porst compact reflex SP
Bedienelemente
Wie der Name schon vermuten lässt, ist sie sehr kompakt gebaut. Wenn ich sie neben meine handliche Nikon FM2 stelle, ist die Porst sogar jeweils ein paar Millimeter schmäler, kürzer und niedriger als die Nikon.

Bei der SP-Ausführung der Porst compact reflex (es gibt auch noch eine S) kann man den Belichtungsmesser von Integral- auf Spotmessung umstellen lässt. Eine sehr praktische Funktion für knifflige Belichtungssituationen. Der Hebel dafür befindet sich bei der Rückspulkurbel. Auf der anderen Seite des Suchers befinden sich die meisten anderen Bedienelemente. Neben dem Auslöser, der sich gegen ungewollte Betätigung sperren lässt, sind dort als wichtige Elemente das Zeitenrad und der Schnellspannhebel platziert. Am Spannhebel sitzt auch das Hebelchen für die Mehrfachbelichtung. Dazu wurde zwischen Zeitenrad und Spannhebel der Knopf für die Freigabe des Rückspulens gequetscht.

Porst compact reflex SP
Filmmerker an der Rückseite
Auf der Rückseite der Kamera ist eine Aufnahme für die Lasche der Filmverpackung angebracht damit man auch an Weihnachten noch weiß welchen Film man an Ostern eingelegt hat ;-). Ohne die Lasche findet man dort eine Tabelle für die Umrechnung von ASA zu DIN. Das waren die verschiedenen Arten die Filmempfindlichkeit anzugeben bevor auf ISO umgestellt wurde.

Der Zeitenbereich der Kamera reicht von 4 Sekunden bis zu 1/1000s. Die Zeiten werden elektronisch gesteuert. Man braucht also zwingend zwei Batterien vom Typ SR44 (LR44 geht auch) um mit der Porst zu fotografieren. Die mechanische „Notzeit“ von 1/60s unterschlage ich mal einfach. Diese 1/60s ist auch die Blitzsynchronzeit des horizontal ablaufenden Tuchverschlusses und entsprechend andersfarbig auf dem Zeitenrad hervorgehoben.

Die Belichtungssteuerung erfolgt rein manuell. Ich finde das passt auch sehr gut zur Spotmessung. Diese könnte zusammen mit einer Belichtungsautomatik unerwartete Ergebnisse liefern, sofern man die Belichtungsspeicherung mal vergisst zu nutzen.

Die Arbeitsweise ist ähnlich wie ich es von meiner FM2 gewohnt bin. Da die Porst compact reflex SP im Gegensatz zur Nikon keine Offenblendenmessung hat, ist es ratsam vor dem Messen der Belichtung scharf zu stellen. Schließlich blendet die Porst beim Aktivieren der Belichtungsmessung durch Betätigen des Auslösers bis zum ersten Druckpunkt ab. Und dann kann es im Sucher schon mal ziemlich dunkel werden. Allerdings hat man dann ohne Abblendhebel schon mal eine Vorschau auf die zu erwartende Schärfentiefe im Bild. Mittels dreier LEDs am oberen Sucherrand zeigt die Kamera an, ob die Belichtung stimmt (grüner Punkt in der Mitte) oder daneben liegt (rote Pfeile außen). Die äußeren Pfeile zeigen dabei jeweils die Richtung an, in die man den Blendenring am Objektiv oder das Zeitenrad mit dem Zeigefinger drehen sollte, um eine korrekte Belichtung zu erzielen. Finde ich sehr schön gelöst. Leider fehlt eine Anzeige der Blende und Zeit im Sucher, so dass man schon mal versehentlich bei einer Zeit landen kann, die die Gefahr des Verwackelns mit sich bringt. Aber das war damals bei Amateur-Kameras nicht weit verbreitet.

Porst compact reflex SPDie Kamera wurde damals im Kit mit einem Objektiv gekauft. Das war in diesem Fall ein 1.4/55mm-Standardobjektiv. Als Alternative gab es auch noch ein 1.7/50mm. Das Scharfstellen erfolgt in der für mich als Nikonianer falschen Richtung, was aber in der praktischen Anwendung kein großes Problem darstellt. Das Objektiv wird nicht über ein Bajonett an der Kamera befestigt sondern angeschraubt. Kamera und Objektiv sind mit einem sogenannten M42-Gewinde verbunden. Sogenannt, weil die korrekte Bezeichnung für das Gewinde M42x1 eigentlich lautet. Als Maschinenbauingenieur sei mir dieses Korinthenk**ken verzeihen. Die Verfügbarkeit von Objektiven von vielen Herstellern war nach meiner Erinnerung auch eines der Argumente, die zum Kauf der Porst compact reflex SP geführt haben. Auch wenn dann später nur ein 4/80-200-Zoom von Tokina angeschafft wurde

Die Schärfeskala des Objektivs hat auch eine Markierung für die Fotografie mit IR-Film. Da der Filterdurchmesser zu meinem Infrarotfilter, den ich noch von meinen Infrarot-Versuchen mit meiner ersten Digitalkamera habe, werde ich im nächsten Jahr mal meine Infraotfilme aus dem Kühlschrank ihrer gedachten Verwendung zuführen. Vorher werde ich allerdings noch einen Testfilm mit der Kamera belichten.

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