Gossen Polysix electronic 2

Gossen POLYSIX electronic 2Zum heutigen „Camera Porn-Friday“ gibt es keine Kamera über die ich schreiben möchte. Diesmal geht es stattdessen um ein nicht unwichtiges Zubehörteil, einen Handbelichtunngsmesser. Gerade wenn man mit älteren, mechanischen Kameras auf Film fotografiert, die keine Belichtungsmessung eingebaut haben. Doch auch mit modernen Digitalkameras kann ein Handbelichtungsmesser sinnvoll sein. Der Blick aufs Display oder aufs Histogramm ersetzt aus meiner Sicht keine vernünftig ausgeführte Lichtmessung, auch wenn man mit ein wenig Erfahrung damit recht gut zurechtkommt.

Doch es soll heute nicht primär um das Messen der Belichtung mittels Handbelichtungsmesser gehen. Vielmehr möchte ich ein wenig zu meinem Gossen POLYSIX electronic 2 schreiben. Hergestellt wurde er vermutlich Ende der 70er Jahre, wie der Eintrag des Kameramuseums in Plech vermuten lässt. Der Hersteller Gossen aus Erlangen hat einen guten Ruf, weshalb Gossen-Belichtungsmesser in den einschlägigen Internetforen gerne empfohlen werden. Meistens jedoch andere Modelle, so dass man den POLYSIX mit ein wenig Geduld recht günstig gebraucht erstehen kann.

Der Belichtungsmesser ist mit einer CDS-Messzelle ausgestattet und braucht deshalb zwei Batterien zur Stromversorgung. Laut Anleitung benötigt er den Typ 1,5 V IEC R6. Hört sich komplizierter an als es ist, dabei handelt es sich um eine handelsübliche Mignonzelle, auch bekannt als AA, die man in jedem Supermarkt bekommt. Manche andere Belichtungsmesser aus dieser Zeit arbeiten mit Quecksilberzellen, die man heute nicht mehr kaufen kann. Somit ist man mit dem POLYSIX ganz gut aufgestellt.

Das electronic im Namen stammt vermutlich von der Transistorschaltung, die den gemessenen Wert des Fotowiderstands so verstärkt, dass er eine oder beide LEDs zum Leuchten bringt. Durch Drehen am Einstellring verschiebt man einen transparenten Graukeil vor der Meßzelle. Sobald beide LEDs leuchten hat man die korrekte Belichtung gemessen und kann eine passende Zeit-Blenden-Kombination an der passenden Skala ablesen. Von diesen Zeitenskalen gibt es zwei. Man muss also auf die zum gewählten Messbereich passende Skala achten. Die grün hinterlegte Skala dient der Messung wenn mehr Licht vorhanden ist. Oder wie es die Anleitung sagt, für den Hellbereich. Entsprechend dient die rote Skala der Anzeige für den Dunkelbereich. Über das Drücken der Meßwippe in die entsprechende Richtung (vorne-Dunkelbereich, hinten – Hellbereich) aktiviert man den Belichtungsmesser und den gewünschten Messbereich.

Man kann die Empfindlichkeit von 6-42° DIN bzw 3-12.500 ASA verstellen und mit Blenden von 1 bis 90 arbeiten. Dazu zeigt der POLYSIX Belichtungszeiten von 2 Stunden bis zu 1/2000s an.

Damit man bei der Objektmessung auch weiß was man anvisiert, gibt es einen Sucher, der über einen internen Spiegel den Blick in Richtung Motiv umlenkt. Da der POLYSIX drei umschaltbare Meßwinkel (10°, 20° und 30°) hat, gibt es im Sucher auch zwei Kreise, die diese Winkel anzeigen. Der enge Meßwinkel ist ganz praktisch, wenn man die Helligkeitsunterschiede im Motiv ausmessen will. Oder auch um den bildwichtigen Teil genau zu treffen. Diese Funktion hatte mich beim Großformatworkshop, bei dem ich einen POLYSIX zum ersten Mal sah, so begeistert, dass ich mir danach mein Exemplar auf ebay ersteigert habe.

Möchte man unabhängig von den Farben und der Helligkeit des Motivs messen (der berühmte weiße Hase im Schnee), dann nutzt man die Lichtmessung. Dazu schiebt man die Kalotte vor den Sensor und misst vom Objekt in Richtung Kamera. Im Freien kann man auch von einer anderen Stelle mit gleicher Beleuchtung aus messen um zum gleichen Ergebnis zu kommen. Gerade bei Gegenlichtsituationen greife ich gerne zur Lichtmessung.

Das Messen mit einem Handbelichtungsmesser nimmt einem nicht so viel Arbeit aber wie die modernen Systeme in den digitalen oder analogen Autofokus-Kameras. Oder wie es Gossen in der Anleitung so schön formuliert:

Um es gleich vorweg zu sagen: Eigenes denken nimmt Ihnen der POLYSIX electronic 2 nicht ab. Auch das berühmte „Elektronengehirn“ ist hilflos ohne den sachkundigen Wissenschaftler, der die zu lösenden Aufgaben so vorbereitet, dass sie verarbeitet werden können. Ähnlich ist es beim POLYSIX electronic 2: Er beantwortet die ihm gestellten Belichtungsfragen umso genauer, je geschickter Sie diese stellen.

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