Ein spontaner Ausflug nach Berlin

Pariser Platz, morgens
Als ich vor einiger Zeit in der Photonews blätterte und mir gewohnheitsgemäß die Liste mit den Ausstellungen durchschaute, fiel mir auf, dass ich schon länger nicht mehr privat in Berlin war. Und so reifte ein Plan heran, mir verschiedene Ausstellungen anzuschauen. Anreisen wollte ich mit dem Fernbus, weil mir das stressfreier erschien als selbst mit dem Auto zu fahren. Günstiger ist es dazu auch noch.

Der Fahrplan der grünen Busse machte es sogar möglich ohne Hotelübernachtung auszukommen. Und so stieg ich mitten in der Nacht zum Donnerstag in Bayreuth in einen überraschend geräumig bestuhlten Doppelstockbus um mich in die Hauptstadt bringen zu lassen. Fast pünktlich kamen wir am ZOB in der Nähe des Messegeländes an. Da meine Tagesziele alle zentraler angesiedelt waren, führte der erste Weg zum nächstgelegenen S-Bahnhof um von dort mit einem Tagesticket ausgestattet zum Hauptbahnhof weiterzufahren.
Auf meinem Fußweg am Reichstag vorbei über den Pariser Platz zum Stelenfeld des Holocaust-Mahnmals stellte sich heraus, dass es ein eher trüber Tag werden sollte.

So entschloss ich mich beim Frühstück mich nicht in Streetfotografie sondern in der Fotografie von Architektur zu üben. Als Objekt hatte ich mir das Jüdische Museum ausgewählt. Von früheren Besuchen kannte ich die sehr empfehlenswerte Dauerausstellung schon und konzentrierte mich auf bauliche Details. Dabei kam mir zugute, dass ich die Nikon F3 mit der Gittermattscheibe dabei hatte.

Nachdem ich 3 Neopan 1600 gefüllt hatte, ging es mit U- und S-Bahn zum Bahnhof Zoo. Die drei Ausstellungen, die ich mir unbedingt anschauen wollte, sind von dort problemlos zu Fuß zu erreichen. Begonnen habe ich dann mit der Newton-Stiftung und dem Museum für Fotografie. Die japanischen Fotografien im Fotografiemuseum haben mir jetzt nicht so zugesagt. Wobei so ein kolorierter Albuminabzug eine sehr interessante Bildwirkung hat.

Ein Stockwerk tiefer bei der Ausstellung der drei Fotografen Helmut Newton, Frank Horvat und Szymon Brodziak waren die Exponate deutlich näher an meinem Geschmack. Zu Helmut Newton brauche ich hier eigentlich nichts mehr sagen. Die anderen Fotografen waren mir bisher noch unbekannt. Was bei einem Fotografen wie Frank Horvat, der seit den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts auf hohem Niveau aktiv ist, schon etwas verwundert. Bei der Menge der von ihm gezeigten Bilder fand ich die thematische Einordnung seiner Fotografien in 15 Schlüsselelemente (House With Fifteen Keys) sehr gelungen.

Den deutlich jüngeren polnischen Fotografen Szymon Brodziak werde ich zukünftig genauer verfolgen. Seine großformatigen Inszenierungen haben mich beeindruckt.

C/O Berlin (Miles Davis)Weiter ging es auf der anderen Seite der Hardenbergstraße im Amerika-Haus, dem neuen Domizil von C/O Berlin. Die dort gezeigte Retrospektive zum 60. Geburtstag von Anton Corbijn war erst letzte Woche eröffnet worden. Neben einigen Ikonen aus dem Bereich der Musikerportraits wird ein großer Querschnitt des fotografischen Schaffens Corbijns gezeigt. Die Präsentation der Fotografien in der Ausstellung ist dabei m.E. deutlich besser als in den dazugehörigen Katalogen.

C/O Berlin (Mick Jagger)

Zum Abschluß besuchte ich die Galerie Camera Work, die bis zum 5. Dezember Aufnahmen von Herb Ritts zeigt. Auch wer der Name Herb Ritts nichts sagt, hat bestimmt schon eines oder mehrerer seine Fotos gesehen. Als erstes stach mir eine Serie mit Naomi Campell im Leoparden-Korsett ins Auge, aus der ich eine Aufnahme im Schwarzweiß-Magazin gesehen hatte, aber nicht direkt Herb Ritts zugeordnet hätte.

Neben den Original Abzügen, die sich preislich von „eigentlich gar nicht so teuer“ bis „Uff“ bewegten, gab es in „Ausstellungstischen“ auch noch Zeitschriften zu sehen, in denen die Serien, aus denen die Exponate stammen, zuerst veröffentlicht wurden. Dazu wurden auch Kontaktabzüge gezeigt. Dabei fand ich sehr interessant, dass darauf nicht nur die Auswahl markiert war, sondern auch in anderer Stiftfarbe Hinweise für den Laboranten eingezeichnet waren.

Bevor ich noch mehr dazu schreibe, zitiere ich einfach aus der Ausstellungsbeschreibung.

Herb Ritts Plakat

Die Ausstellung gibt einen umfassenden Einblick in das beispiellose Schaffenswerk von Herb Ritts, der als einer der bedeutendsten Fashion- , Porträt‐ und Celebrity‐Fotografen der Geschichte gilt.
Herb Ritts hat in seiner über 20‐jährigen Karriere als Fotokünstler mit allen bedeutenden Persönlichkeiten der Popkultur in den 1980er- und 1990er‐Jahren zusammengearbeitet. Unter den ausgestellten Arbeiten befinden sich unter anderem die berühmt gewordenen Porträts von David Bowie, die stilistisch anspruchsvollen Inszenierungen von Topmodels wie Naomi Campbell, Cindy Crawford, Kate Moss und Claudia Schiffer sowie die bekannten Porträts von Hollywood‐Stars wie Drew Barrymore und Philip Seymour Hoffman.

Fazit: Berlin war mal wieder eine Reise wert. Der nächste Besuch könnte auch tatsächlich wieder per Bus stattfinden. Allerdings dann wieder mit Übernachtung.

Ausblick: Sobald die Filme entwickelt sind, gibt es dann auch mehr zu sehen als die Handy-Bilder hier im Beitrag.

8 Antworten auf „Ein spontaner Ausflug nach Berlin“

  1. Wirklich gut der Text! Ich finde Berlin ein tolles Ziel, vorallem weil dort so viele tolle Fotomotive auf einen warten ;)

    Liebe Grüße Sara

  2. Ich war noch nie in Berlin, würde so gerne mal dahin. Die Bilder auch noch hier sind soooo schön, dass ich glatt los fahren möchte. Danke für die tollen Bilder. Schöne Grüße Anka

  3. Berlin ist eine hochinteressante Stadt. Ein Ausflug dorthin lohnt sich auf jeden Fall. Ich danke Dir für die schönen Eindrücke.
    Liebe Grüße,
    Sina

  4. Ein hochinteressanter Artikel. So ein Abenteuer liegt nicht immer nur am anderen Ende der Welt, sondern manchmal auch direkt um die Ecke – Berlin ist eine Stadt die viel zu bieten hat, von kulturellen bis hin moderner Sehenswürdigkeiten alles ist vertreten. Ich bin neulich mit dem Auto hin gefahren und musste immer wieder anhalten um Fotos zu machen.

  5. Ich fahre immer wieder gern nach Berlin. Man kann dort einfach immer wieder etwas Neues erleben. Diese Stadt hat viele Facetten und wird einfach nicht langweilig.

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