Analoges Wiederfinden, Teil 1

Bei allen großen und kleinen Unterschieden zwischen silberbasierter aka analoger und digitaler Fotografie gibt es doch Gemeinsamkeiten, die über die Grundlagen der Belichtungsteuerung und Optik hinausgehen. Wer öfter fotografiert als nur im Urlaub und bei Tante Käthes 75sten Geburtstag steht früher oder später vor dem Problem die gelungenen Bilder später wieder zu finden.

Bei den mit der Digitalkamera entstandenen Bildern lässt sich das Problem über ein sinnvolles System aus Ordnerstruktur, Dateinamen und einem geeigneten Verwaltungsprogramm relativ einfach in den Griff bekommen. Schließlich liegen alle „Negative“ (RAW) und „Abzüge“ (JPG+PSD) am gleichen Ort, der Festplatte, vor. Von dort greift das Verwaltungsprogramm direkt auf die entsprechenden Dateien zu.

Anders sieht es da oft bei analog entstandenen Aufnahmen aus. Die gelungenen Aufnahmen werden ins Album geklebt und die Negative bleiben mit den anderen Abzügen in den Filmtaschen vom Entwicklungsdienstleister. Und wandern gemeinsam in den berühmt-berüchtigten Schuhkarton. So habe ich es früher mit den „Papierbildern“ gehandhabt. Die Dias, die ich früher hauptsächlich belichtet habe, wurden sorgfältiger behandelt. Die wurden mit dem Ereignis und einer auf dieses bezogenen, fortlaufenden Nummer versehen. Das Ereignis stand auch auf der Box zum Diamagazin, in dem die Dias aufbewahrt wurden. Diese Ordnungsmethoden waren bei 3-5 Farbnegativfilmen und 10-20 Diafilmen im Jahr noch überschaubar.

Seitdem ich wieder mehr analog fotografiere und die SW-Filme selbst entwickle, fallen deutlich mehr Filme im Jahr an. Um dabei den Überblick nicht zu verlieren musste ich mir ein System einfallen lassen, das sich einfach handhaben lässt und es trotzdem möglich macht später einzelne Negative wieder zu finden.

Dazu habe ich mir angewöhnt alle Filme nach dem Selbstentwickeln in Negativablageblätter einzusortieren. Diese gibt es passend für die verschiedenen Filmformate z.B. bei Monochrom* oder bei fotoimpex*. Entwickelt man selbst, kann man die Länge der Filmstreifen auch selbst bestimmen. Ich schneide die 36er Kleinbildfilme immer in 6er-Streifen. Oder auch in 5 6er, einen 4er und einen3-er-Streifen wenn mal, wie eigentlich fast immer, 37-Aufnahmen auf dem Filmstreifen sind. Dazu eignen sich die Negativblätter mit Platz für 7 6er Streifen.

Bei fremdentwickelten Farbfilmen kommen diese in der Regel in 4er-Streifen geschnitten an. Dazu gibt es Negativblätter mit der Aufnahmekapazität für 10 solche kurzen Filmabschnitte. Hin und wieder gibt es auch Anbieter, die die Filme in 5er Streifen zerstückeln. Ist mir mal bei einem Diafilm untergekommen, den ich beim ortsansässigen Fachgeschäft entwickeln ließ. Und da ich Dias nicht mehr projiziere, sondern scanne und danach ablege, ist dies eine extrem unpraktische Konfektionierung. Seitdem lasse ich nur noch beim Drogeriemarkt meines Vertrauens entwickeln.

Die Rollfilme kommen in Blätter mit 4 Streifen zu je 3 Negativen im Format 6×6 (oder 4 Negative bei 6×4,5). So passt auch hier ein Film in ein Ablageblatt.

Die Frage, ob man Pergamin oder Acetat als Material für die Negativblätter bevorzugt, soll früher durchaus kontrovers diskutiert worden sein. Ich persönlich benutze Pergamin-Ablageblätter, weil mir die bessere Luftdurchlässigkeit des Pergamins wichtiger ist als die klare Sicht auf den Filmstreifen, die Acetat bietet. Würde ich Kontaktbögen in der Dunkelkammer erstellen oder die Bilder über ein Leuchtpult beurteilen, könnte die Entscheidung auch anders aussehen.

Die ebenfalls gelegentlich angebotene Kombination Acetat-Pergamin, scheint mir eine Verbindung der Nachteile beider Materialien zu sein. Hier wird die Undurchsichtigkeit des Pergamins mit einer schlechteren Luftdurchlässigkeit des Acetats kombiniert ohne echte Vorteile zu bieten. Hinzu kommt, und das ist bei einem Schwaben nicht unwichtig, dass Pergamin auch die preiswerteste der vorgestellten Alternativen ist.

Sobald die Filme in den Ablageblättern verstaut sind, beschrifte ich diese auf dem Heftstreifen. Da dieser aus stärkerem Papier besteht, eignet sich dafür m.E. am besten ein Bleistift. Neben Filmart, Entwickler, verwendeter Kamera, Aufnahmeort und –datum kommt eine fortlaufende Nummer in die linke untere Ecke. Dort kann sie auch im Ordner ohne alles umblättern zu müssen abgelesen werden.

Die fortlaufende Nummer hat die Form JJJJ-xxx. Wobei JJJJ für das Jahr der Aufnahme, und xxx für eine dreistellige Zahl steht, die entsprechend der Aufnahmereihenfolge hoch gezählt wird. So steht dann z.B. 2009-049 für den 49. Film des Jahres 2009

Bei der Wahl des Ordners sollte man beachten, dass die Negativblätter größer sind als die üblicherweise im klassischen Leitzordner abgelegten A4-Papierbögen und auch noch eine 4er Lochung aufweisen. Sehr gut gefallen mir für die Aufnahme meiner Filme die Ordnerkassetten von Monochrom in Pappe oder Kunststoff. Durch die Kassettenform sind die Negative von Umwelteinflüssen geschützt und stauben auch nicht ein.

Die weitere Bearbeitung mit Einscannen und Katalogisieren in Lightroom behandle ich dann in Teil 2.

* Die Firmennamen in diesem Beitrag sind nur als Beispiel für mögliche Einkaufsmöglichkeiten aufgeführt. Ich habe durch die Erwähnung keine, wie auch immer gearteten, Vorteile.

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