Analoge Spielerei?

Der Artikel auf SPON ist zwar schon etwas älter, da er aber unter dem Titel „Experten-Tipps: So gelingen analoge Foto-Experimente“ vorgibt sich mit der zeitloseren Art der Bilderstellung zu befassen, lohnt sich auch heute noch ein genauerer Blick.

Weil ich ja auch gerne noch Filme in Kameras packe und damit zum Fotografieren durch die Gegend ziehe, habe ich mich zunächst auch gefreut, dass sich ein solches Mainstream-Medium wie Spiegel online mit der silberbasierten oder analogen Fotografie beschäftigt. Der Teaser fängt auch schon gut an.

Alle Welt fotografiert digital, doch experimentierfreudige Hobbyfotografen schaffen mit Filmen und Analog-Kameras vom Flohmarkt außergewöhnliche Bildeffekte.

Doch schon bald merkt man, dass der SPON-Redakteur sich nur oberflächlich im Netz und dort überwiegend bei der lomografischen Gesellschaft informiert hat. Das Ganze wird dann in leicht verdauliche Häppchen aufgeteilt, die die folgenden Titel tragen.

1. Teil: So gelingen analoge Foto-Experimente
2. Teil: Wann lohnt es sich, auf Film zu fotografieren?
3. Teil: Welche Kameras sind empfehlenswert?
4. Teil: Worauf muss man beim ersten Film-Versuch achten?
5. Teil: Welches Filmmaterial bringt tolle Effekte?
6. Teil: Wie sollte man Filme entwickeln und scannen?
7. Teil: Wettbewerb – schicken Sie uns Ihre Analog-Fotos!
8. Teil: Analoge Fototechnik – die Fachbegriffe noch einmal kurz erklärt

In den einzelnen Kapiteln kommen dann Fotografen zu Wort, die überwiegend mit Kameras aus dem Angebot der Lomo-Freunde fotografieren. Hugo Pereira und Stéphane Heinz haben sogar recht umfangreiche Bildersammlungen auf lomography.com.

Leider beschränken sich dann auch noch die zu Beginn versprochenen außergewöhnlichen Effekte auf Crossentwicklung (also Diafilme als Negativfilme entwickeln bzw. umgekehrt) und Polaroidbilder. Die besondere Wirkung einer Schwarzweißaufnahme auf Film im Gegensatz zu aus bunten Digitalbildern abgewandelten Bildern ohne Farbe wurde gar nicht erwähnt. Ganz zu schweigen von IR-Filmen und andern Spielarten der Fotografie auf Film.

Die Sicht der SPON-Netzweltredaktion auf die analoge Fotografie beschränkt sich also überwiegend auf die sogenannten Toy cameras eines Online-Händlers und den Spielarten der Fotografie, die auf dessen Internet-Seite als kreativ dargestellt werden.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich den Artikel als schlecht recherchiert oder als gut getarnte Schleichwerbung einstufen soll. Oder wurde hier jemand, der von der Fotografie nur soviel weiß, um die Vorderseite einer Kamera zu erkennen, damit beauftragt einen Artikel über analoge Fotografie zu schreiben? Schaut man sich die Auflistung der „analogen“ Fachbegriffe an, könnte dies durchaus der Fall sein. Schliesslich tummeln sich da auch einige Begriffe, deren Bedeutung auch der Digitalknipser kennen sollte.

"Analoge" Fachbegriffe

Bleibt das Fazit: Der Spiegel ist auch nicht mehr das, was er mal war.

Eigentlich schade, aus dem Thema hätte man mehr machen können.

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