Analog, digital? Sch…egal

Eine meiner sonntäglichen Gewohnheiten ist es, gemütlich bei einer Tasse Tee die Browserfruits auf kwerfeldein.de auf dem Tablett zu lesen. Dabei wurde ich an einem der letzten Sonntage an einen facebook-Beitrag von Benjamin Sieber erinnert, in dem er über eine Reaktion eines Menschen mit Digitalkamera auf eine facebook-Gruppenbeitrag zum Digitalisieren von Negativen schreibt. Nachdem ich mit dem Kopfschütteln fertig war, machte ich mir dann doch so ein paar Gedanken zum angerissenen Thema.

Eigentlich hatte sich der Verfechter der reinen Lehre (wenn digital präsentieren, dann auch vorher digital fotografieren) durch seine Wortwahl von einer ernsthaften Diskussion ausgeschlossen, aber irgendwie zeigte der Beitrag auch, dass die uralte Digital-Analog-Diskussion noch immer in den Köpfen herum geistert. Ich hatte ja eher vermutet, sie sei in der Zwischenzeit durch den ebenso unnützen Streit um die Sinnhaftigkeit des Spiegels in der Kamera abgelöst worden.

Was man ihm zugutehalten muss, ist, dass er ein Argument verwendet, das mir in der Form noch nie untergekommen ist. Was das Argument aber kein bisschen besser macht. Denn wenn man seine Forderung, analoge Aufnahmen nicht zu digitalisieren, mal umdreht, also digitale Aufnahmen nicht zu „analogisieren“, d.h. auszudrucken, sieht man schnell, dass diese Forderung zur Kategorie gehobener Blödsinn gehört.

Das Ziel beim Fotografieren ist doch etwas zu erschaffen, das man anderen zeigen kann. Und beim Zeigen auf dem Bildschirm, womöglich nur auf einem mobilen Gerät, fehlt etwas ganz Entscheidendes, das haptische Erleben. So wirkt ein Bild auf mattem Fineart-Papier oder als Baryt-Handabzug ganz anders als auf einem günstigen Hochglanzabzug vom Discounter oder Drogeriemarkt. Wobei selbst da die Bildwirkung um Längen besser ist als beim Betrachten auf dem Smartphone. Wer seine Bilder nicht auf Papier bringt, gibt die Kontrolle über das Bild ab und überlässt es dem Zufall wie es beim Betrachter ankommt.

Oder etwas polemisch formuliert, wem das Anschauen von Bildern auf dem Handydisplay genügt, der hält auch Kapitän Iglos Fischstäbchen für eine vollwertige Mahlzeit aus der Fischküche.

Ich sage ja immer, wenn ein Bild es mir nicht wert ist gedruckt zu werden, dann ist es auch nicht wert gezeigt zu werden.

Und hat man das Bild dann auf Papier oder gar gerahmt an der Wand vor sich, fällt noch etwas anderes auf. Man erkennt kaum noch, wie teuer die Kamera war, mit dem es aufgenommen wurde. Ein gutes Bild ist ein gutes Bild, egal ob es mit einer Hasselblad auf Film oder mit einer Einsteigerkamera auf Chip fotografiert wurde. Was man allerdings erkennt, ist, ob die am Bild beteiligten Spaß bei der Sache hatten. Und der sollte unabhängig vom Aufzeichnungsmedium sein.

Fazit: eigentlich egal, mit was man fotografiert. Hauptsache es macht Spaß. Das Ziel ist sowieso das Bild auf Papier und an der Wand.

Eine Antwort auf „Analog, digital? Sch…egal“

  1. Toller Beitrag, ich kann dir da nur zustimmen. Heutzutage nimmt sich doch kaum einer mehr Zeit für ein tolles Foto. Man hat doch sein Handy und kann wild drauf los knipsen. Auf Licht, Winkel, Einstellung etc. achtet doch kaum einer. Einfach so oft versuchen, bis es passt.
    Dabei finde ich es schön in Ruhe nach dem passenden Motiv zu suchen und dann das perfekte Bild zu bekommen. Leider gibt es immer weniger, die noch wirklich fotografieren. Ist ja lästig eine Kamera mitzunehmen, wenn man das Handy hat.
    Deine Bilder finde ich übrigens spitzenmäßig :)

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