Alles CC oder was?

LR Classic StartbildAdobe hat mich gestern mit der Bereitstellung der neuen Version von Lightroom überrascht. Dabei war die Tatsache, dass es da jetzt plötzlich eine neue Version gibt, nicht das Überraschende. Schließlich geistern die Gerüchte über das Erscheinen einer neue Version in diesem Herbst schon länger durchs Netz. Überrascht hat mich der Name der neuen Version. Oder soll ich eher sagen, die Namen der neuen Versionen? Ja, richtig, es gibt mehr als eine neue Version.

Raider heißt jetzt Twix „Lightroom CC“ heißt jetzt „Lightroom Classic CC“. Eigentlich hätte ja „Lightroom CC 2018“ besser in die aktuelle Namensgebung bei Adobe gepasst. Die ebenfalls gestern präsentierte neue Version von Photoshop heißt ja schließlich auch „Photoshop CC 2018“ und auch das aktuelle Photoshop Elements hat die 2018 im Namen. Aber da haben sich die Marketing-Strategen bei Adobe ja lieber etwas ganz Schlaues Besonderes ausgedacht.

Der alte Namen „Lightroom CC“ ist für eine komplett neue Version, die Cloud-basiert arbeitet. D.h. die RAW-Dateien werden in der Cloud bei Adobe gespeichert, damit man von allen seinen Geräten (Laptop, Tablett, Smartphone) auch unterwegs damit arbeiten kann. Auf die Idee kann auch nur jemand kommen, der in einer Gegend lebt, in der er oder sie ständig schnelles Internet zur Verfügung hat. Ein unendliches Vertrauen in die sichere Speicherung der Daten bei Adobe braucht es natürlich auch um sich darauf einzulassen. Um bei der geringeren Rechenleistung der mobilen Geräte noch flüssig arbeiten zu können, sollen der neuen CC-Version deshalb auch ein paar Funktionen fehlen.

Doch davon mal abgesehen, was soll das? Die neue Version heißt wie die alte und der Nachfolger der alten hat noch ein Classic angehängt bekommen. Was bringt das, außer maximaler Verwirrung, dem Kunden? Die einzige Erklärung, die für mich irgendeinen Sinn ergibt, ist, dass hier der eingeführte Name zum Pushen des neuen Produktes verwendet werden soll. Und weil Classic so schön altmodisch oder überholt klingt, wird der bisherigen Lösung, bei der die Daten auf dem lokalen Rechner liegen, zusätzlich noch ein unattraktiver Name verpasst. Mir erscheint das irgendwie eine Vorbereitung darauf zu sein die bisherige „All-in-one-Lösung“ durch die neue Cloud-Lösung zu ersetzen. Klingt jetzt irgendwie pessimistisch, aber nachdem das bisherige Nebeneinander von Kaufsoftware (Lightroom 6) und Mietsoftware (Lightroom CC) schon den nächstn Versionssprung nicht überlebt hat, würde mich dies bei der aktuellen Neuerung nicht sehr überraschen.

Lightroom 7.0-DialogSieht also fast so aus, als würde mit Lightroom 7, so meldet sich die „Classic CC“ im „Über…“-Dialog, meine lange Lightroom-Historie enden. Und ich setze die Software schon seit Version 1.0 ein. Allerdings werde ich sicherlich kein Geld ausgeben, um meine Daten zu Adobe in die kreative Wolke zu packen.

Da bringt es auch nichts, dass die neue Version nach dem Update gefühlt deutlich schneller geworden ist. Und das obwohl ich die Grafikkartenunterstützung abschalten musste, um im Entwickeln-Modul nach dem Reinzoomen mein Bild und nicht nur eine schwarze Fläche zu sehen. Es gibt also zunächst keinen Grund sofort nach einer neuen Lösung von einem anderen Hersteller zu suchen. Wenn man den bisherigen Rhythmus der neuen Version berücksichtigt, hat nach meinem Dafürhalten die Lightroom-Classic-CC etwa zwei Jahre Lebenszeit vor sich. Genug Zeit für Wettbewerber hier eine wirkliche Alternative auf den Markt zu bringen. Aber wer weiß, vielleicht wechsle ich ja auch früher…

Wie ich gerade bei Paddy Ludolph gelesen habe, teilt er meine Einschätzung zur Zukunft der Desktop-Variante. Seine Erfahrungen mit Capture One lassen mich allerdings etwas zweifeln, ob dies tatsächlich die Lösung und nicht nur ein anderes Problem ist.

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