Alles billiger

Kaum eine Diskussion hält sich in den Fotoforen (z.B. in der fc) so hartnäckig, wie die Diskussion was nun „besser“ sei, die moderne Digitalfotografie oder die traditionelle silberbasierte Fotografie auf Film. Das sind dann die berüchtigten digital-vs.-analog-„Freds“.

Bei den Diskussionen über die Vor- und Nachteile der beiden Arten der Bildaufzeichnung braucht man nicht lange warten, bis ein Vertreter der elektronischen Fotografie das Kostenargument anführt. Schliesslich koste eine Digitalaufnahme „kein Geld“. Auch die Anhänger der traditionellen Art der Fotografie argumentieren gerne mit den günstigen Preisen der Kameragehäuse für Film. Sehr ausführlich kann man diesen Standpunkt auf „Warum analog?“ nachlesen.

Schaut man sich beide Argumentationen genauer an, stellt man sehr schnell fest, dass hier Äpfel und Bananen verglichen werden. Beides Obst bzw. Kosten aber doch sehr unterschiedlich. Während die einen die niedrigen Einstiegskosten ins Feld führen, sehen die anderen die geringen Verbrauchskosten im Vorteil. Das heißt, es kommt wie so oft auf den Einzelfall an.

Und weil ich neugierig bin, habe ich das mal für mich ausgerechnet.

Eine Möglichkeit so unterschiedliche Kostenarten zu vergleichen ist es die Kosten zu addieren, die in einem bestimmten Zeitraum anfallen.

Kommen wir zu den zugrunde liegenden Annahmen.

  • Als Vergleichszeitraum habe ich mir mal mit 2 Jahren gerechnet. Das deckt sich recht gut mit dem Produkterneuerungs-Zyklus der Kamerahersteller. Statt mit den reinen Anschaffungskosten rechne ich mit dem Wertverlust über 2 Jahre
  • Computerhardware ist vorhanden und wird in der Berechnung nicht mitberücksichtigt.
  • Ziel sind Bilder für das Internet. Also werden Kosten für Abzüge nicht berücksichtigt.

Los geht es mit der analogen Technik. Hier nehme ich die Kosten, die 2008 angefallen sind und rechne auf dieser Basis weiter.
Angeschafft habe ich eine Kamera (Nikon F100) für 200,-€ und diverses Entwicklungszubehör (Dose, Messbecher, Thermometer usw.) für 50,-€. Macht Einmalkosten von 250,-€ Die Kamera dürfte in 2 Jahren etwa 50,-€ weniger wert sein, das Entwicklungszubehör sollte, weil gebraucht gekauft im Wert stabil bleiben.

Die Verbrauchskosten setzen sich zusammen aus den Kosten für die Filme (80xSW, 20x Farbe), den Entwicklungskosten und dem Aufwand für die Archivierung.
Der Ordner für die Negative und die Ablageblätter kosten 30,-€, die Filme kommen zusammen auf 310,-€, Entwicklungskosten für die Farbfilme sind 45,-€ (bei dm) und 60,-€ für SW-Chemie.

Für zwei Jahre Analogfotografie sind somit 990,-€ fällig. Bevor wegen dieser Summe der voreilige Schluß gezogen wird, dass Digital bestimmt günstiger ist, schauen wir mal genauer hin.

Zunächst muss die Frage geklärt werden, mit welcher digitalen Nikon verglichen werden soll. Wenn die sonstigen Eigenschaften (Verwendung manueller Objektive, Haptik usw) sich auf gleichem Niveau bewegen sollen wie bei der F100, bleibt nur die D300 als günstigeste Variante. Die D700 ist dann doch zu teuer.

Für die D300 werden in der Anschaffung ca. 1300,-€ fällig, dazu noch Speicherkarten und ein Zweitakku für zusammen 100,-€, ein Update für Lightroom (meine alte 1.41 kennt die D300 nicht) für 120,-€ und wegen dem gewohnten Bildwinkel noch das meinem Tamron 2,8/28-75 entsprechende Tamron 2,8/17-50 für ca. 350€. Für den Wertverlust gehe ich von 700,-€ für die Kamera aus, schließlich wird in 2 Jahren schon längst das Nachfolgemodell im Handel sein und dann sind 600,-€ für eine gebrauchte D300 schon hoch angesetzt, wenn man von den Gebrauchtpreisen des Vorgängermodells D200 ausgeht. Das Objektiv dürfte 150,-€ im Wert verlieren.

Das ergibt Kosten von 1070,-€ auf zwei Jahre Digitalfotografie mit der D300, unabhängig davon, ob die Kamera nur herumliegt oder häufig verwendet wird. Also in etwa Gleichstand zur analogen Kamera.

Ergebnis: Selbst wenn man recht viel fotografiert (100 Filme sind ca. 3600 Bilder) ist die Digitalfotografie nicht zwangsläufig billiger.

Da allerdings die D200 auch gebraucht noch eine gute Kamera ist, habe ich auch noch für sie durchgerechnet. Gebrauchtpreis heute ca. 500,-€ und Wertverlust auf 2 Jahre ca. 200,-€ macht Gesamtkosten von 570,-€ auf 2 Jahre.

Da mir der Bildeindruck der klassischen Schwarzweiß-Filme immer noch besser gefällt als umgewandelte Digitalbilder, werde ich der F100 so schnell nicht untreu. Für die Farbbilder und die Bilder, die ich schnell im Rechner haben möchte, habe ich mir zusätzlich eine gebrauchte D200 gekauft. Ohne das 17-50-Objektiv ergeben sich Kosten von 420,-€ auf zwei Jahre.

Eine Antwort auf „Alles billiger“

  1. Zuerst mal „Hallo“, ist schließlich mein erster Kommentar hier. Ich bin über den Elitethread bei Boris hierher gelangt.

    Interessante und wie mir scheint faire Rechnung, danke für die Mühe. Das Ergebnis deckt sich mit meinem bisher durch nichts begründeten Gefühl.

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